Experimentalchor Alte Stimmen

Experimentalchor Alte Stimmen

Foto: Jane Dunker
Foto: Jane Dunker

Bei vielen Menschen verändert sich die Stimme im Alter. Unsere Ohren, geprägt durch CD, Funk und Fernsehen, nehmen diese Veränderungen häufig als Defizit wahr. Doch eine ältere Stimme gewinnt zugleich an Charakter, wird individueller: Wenn ältere Menschen singen, dann kann das eine für uns Jüngere unnachahmliche expressive Kraft haben. Im „Experimentalchor Alte Stimmen“ wird gemeinsam nach neuen Tönen für alte Stimmen und der Schönheit der „faltigen“ Stimme gesucht. Im künstlerischen Dialog zwischen Chor und Leitungsteam entstehen neue Improvisationen, Chorsätze und Arrangements, die ganz auf die Ideen, Erfahrungen und Fähigkeiten der Teilnehmenden zugeschnitten sind.

Termine:

Vom Vogel, der nachts nicht mehr nach Hause fand
Ein Konzert über den Lebens- und Klangraum von Habitaten und deren Veränderung

mit PARTITA RADICALE, Ensemble für zeitgenössische und improvisierte Musik
und dem EXPERIMENTALCHOR ALTE STIMMEN

27.9.2019 (Premiere) 19:00 Uhr
Sophienkirche, Sophienstr. 3b, 42103 Wuppertal
Eintritt 12 / 8 Euro

29.9.2019 12:00 Uhr
Anneliese Brost Musikforum Ruhr, Marienplatz 1, 44787 Bochum
Eintritt frei

02.10.2019 19:00 Uhr
Alte Feuerwache, Melchiorstraße 3, 50670 Köln
Eintritt 10 / 8 Euro
Kartenreservierung empfohlen unter: 02234 79790 oder altestimmen@frenzen.net

Leitung:

Ortrud Kegel, Bernhard König (bis 2014), Alexandra Naumann, Simon Rummel (ab 2015)

Chronik:

Bereits nach knapp einem Jahr, im Juni 2011, tritt der Experimentalchor „Alte Stimmen“ in kleiner Besetzung beim 33. Evangelischen Kirchentag in Dresden auf. Aufgeführt wird das Stück „Sie hören Nachrichten“, das zu tagesaktuellen Nachrichten Bezug nimmt und im Rahmen der „Politischen Nachtmusik“, in eine für Kirchentagsverhältnisse sehr experimentelle Mischung aus Talk, Lesungen und musikalischen Beiträgen eingebettet ist.

Im Herbst 2011 präsentiert sich der Chor im Rahmen der „Internationalen Stimmnacht“ erstmals öffentlich in Köln. Weitere Konzerte folgen im Frühjahr und Sommer 2012. Der Experimentalchor führt im Rahmen des Festivals ACHT BRÜCKEN der Kölner Philharmonie, gemeinsam mit Studierenden der Hochschule für Musik und Tanz Köln und Schauspielern des Schauspiel Köln, Ausschnitte aus John Cage´s Song Books auf.

2012 stehen in der Essener Philharmonie biographisch verankerte „Lebenslieder“ und ihre ganz persönlichen Geschichten im Mittelpunkt. Lebensgeschichten von Mitgliedern des Chores werden vertont. Essener Schüler befragen Bewohnerinnen und Bewohner von Seniorenheimen nach ihren Jugenderinnerungen und ihren Lieblingsliedern. Junge und alte Menschen, „In“- und „Ausländer“, alle haben ihre eigene Lebensgeschichte: Erinnerungen, Anklänge an eine vergangene Zeit, eine verlorengegangene und neu eroberte Heimat. Das Konzert erzählt diese Geschichten.

Die renommierte Kölner Dokumentarfilmerin Irene Langemann begleitet den Experimentalchor fast über das gesamte Jahr 2012 mit ihrer Kamera. Für dieses Produktion konnten die Sender SWR, WDR, und Arte sowie die Medienstiftung NRW gewonnen werden. In hochemotionalen Bildern fängt die mehrfach für ihre Musikfilme ausgezeichnete Regisseurin das allmählich tastende Entstehen von Musik ein. Ihr Film erzählt exemplarisch die Geschichten von fünf  Projekteilnehmerinnen und -teilnehmern aus dem „Alte Stimmen“ – Chor und aus einem Seniorenheim in Stuttgart, mit denen der Komponist Bernhard König Musik zu ihren Lebensliedern entwickelte. Der Kinostart „Das Lied des Lebens“ erfolgte im Januar 2013.

daslieddeslebens.lichtfilm.de

Höhepunkt des Jahres 2013 ist das Gipfeltreffen zwischen der „AG Neue Musik Grünstadt“ des Leininger Gymnasiums, Deutschlands „dienstältestem“, seit 1970 lückenlos existierendem Schulensemble für zeitgenössische Experimentalmusik,  und dem Experimentalchor „Alte Stimmen“. In Schloss Engers in Neuwied treffen zwei der originellsten und ungewöhnlichsten experimentellen Laienensembles Deutschlands aufeinander. Für das gemeinsame Konzert haben sich die „Alten Stimmen“ und die Grünstädter AG mit Sprichwörtern und Redewendungen beschäftigt und daraus eigene Stücke entwickelt.

Zum Ende des Jahres 2013 kooperiert der Experimentalchor mit dem Wuppertaler TanzChor60+ und präsentiert die Performance “Blau tanzen. Rot singen“. Eine Farbe tanzbar machen, den Farbenrausch singen, das ist das Thema der Wuppertaler im Alter von 60 bis 78 Jahren. Die „Alten Stimmen“ singen Lebenslieder und geflüsterte Haikus, einen herbstlichen Jazzstandard und die kurzweilige „Phrasendreschmaschine“.

Jung und alt, auf und davon: Ein Reisemärchenliederprogramm für die ganze Familie. So wird die Aufführung aus dem Herbst 2014 betitelt, die der Experimentalchor gemeinsam mit einer Kölner Grundschulklasse erarbeitet. Mit den Kindern begeben sich die „Alten Stimmen“ auf eine Forschungsreise durch verschiedene Kulturen, Lieder und Geschichten. Diese alters- und kulturell gemischte Reisegesellschaft stößt auf mittelalterliche Pilger, arabische Gesänge erklingen und eine mordlustige Dame namens „Loreley“ wird präsentiert. Die Akteurinnen und Akteure haben sich eine abenteuerliche Reisegeschichte ausgedacht: Von einem Kölner Flohmarkt in die weite Welt und zurück.

2015 feiert der Chor sein 5-jähriges Jubiläum in Köln mit einem Programm aus alten und neuen Lieblingsstücken.

2016 widmet sich der Chor in dem Projekt „Aber die Liebe bleibt…“ einem „immergrünen“ Thema: Der Liebe, wie sie einem in zahlreichen Facetten im Laufe eines langen Lebens begegnen kann. Die Sängerinnen und Sänger erzählen dabei selbst erlebte Liebesgeschichten, singen Lieblingslieder über die Liebe, kontrastieren das Ganze mit experimentellen, den erzählerischen Faden weiter spinnenden Klangflächen und freier Bewegung von Klängen im Raum. Optisch wird das Projekt mit Overhead-Projektionen der Künstlerin Tina Tonagel gekoppelt.

In einem Chor, in dem das Alter der Sängerinnen und Sänger zwischen 70 und weit über 90 Jahren liegt, hat das Thema Zeit von Natur aus eine andere Dimension als in einem Schulprojekt. Der Chor kristallisiert in 2017/2018 unterschiedliche Aspekte der Zeit heraus: rasende, bleierne, subjektive oder objektiv gemessene, Kairos und Chronos; Zeit in flüchtigen Aktionen, in langdauernden Improvisationen und natürlich in Liedern. (Video: Michael Korneffel)

Die Zeit hat eine Richtung: die gefallene Tasse zersplittert in Scherben, aber niemals fallen in unserem Universum die Scherben zu einer Tasse zusammen.

Wie schnell ist nichts passiert…

2019 kooperiert der Chor erstmals mit dem Ensemble für improvisierte und zeitgenössische Musik Partita Radicale und unterschiedlichen Senioren-Gastensembles. Gemeinsam beschäftigen sich die Musikerinnen und der außergewöhnliche Chor mit dem Klang von Habitaten, in denen jedes Lebewesen seinen Platz und seine Nische findet. Es besetzt dort einen Frequenzbereich mit seiner Stimme, in dem sonst niemand spricht und in einem Rhythmus, in dem es gut gehört werden kann.

Diese Klangforschung mit Stimme und Instrumenten ist brandaktuell: Es geht um die Verminderung und das Verschwinden der Habitate von Tieren. Was allenthalben zu beobachten ist, gehen Musikerinnen und Chor über das Hören an. Was wird aus der „Sinfonie der Natur“, wenn die Lebensräume ihrer Bewohner verschwinden?

https://www.youtube.com/watch?v=FwWseC3ynIs

http://www.deutschlandradiokultur.de/der-klang-des-alters.1278.de.html?dram:article_id=192770

Foto: Klaus-Peter Hörenz
Foto: Irina Matthes
Foto: Jane Dunker
Foto: Jane Dunker