Menü Inhalt

Anfang

 

Plenarmusik

Tanztheaterperformance für den Mainzer Landtag
Landtag Rheinland-Pfalz mit Unterstützung des Ministeriums für Kultur, Jugend, Familie und Frauen, des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Weiterbildung, der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur, dem Büro für Konzertpädagogik und den Mainzer Kammerspielen. Uraufführung: 6. März 2001, Plenarsaal des Mainzer Landtages. AG Neue Musik Grünstadt; Choreographie: Nancy Seitz-McIntyre, musikalische Einstudierung: Silke Egeler-Wittmann, Komposition, Regie und Textbuch: Bernhard König.

Ein experimentelles Musik- und Tanztheater im Landtag über den Landtag: Über parlamentarische Rituale, Politikerrhetorik und den permanenten Zwang zur theatralischen Selbstdarstellung.

 

 

Mündigkeit statt Hörigkeit – zur Idee von „Plenarmusik“

Normalerweise richtet sich die Auseinandersetzung mit der Institution „Parlament“ eher an inhaltlichen Fragestellungen aus. Doch Politik besteht nicht nur aus Sachthemen. Ob ein Redner in der parlamentarischen Debatte überzeugt, ist auch eine Frage der Selbstinszenierung: Körpersprache, stimmliche Nuancen und persönliche Präsenz spielen eine wichtige Rolle - letztlich also die gleichen Ausdrucksmittel, die auch im Theater eingesetzt werden.
Dementsprechend ging es bei der künstlerischen Auseinandersetzung vor allem um die äußere Inszenierung von Politik – und um den Blick hinter die Fassaden dieser Inszenierung. Vertraute politische Rituale wurden von den Schülern mit dem neugierigen Blick eines Ethnologen betrachtet, der die Gebräuche einer fremden Kultur erforscht. Und es wurden kritische und respektlose Fragen gestellt: „Warum benutzen Politiker diese komplizierte Sprache?“ – „Welche wahren Emotionen verbergen sich hinter dem scheinbar souveränen Auftreten eines Redners?“
Das Entscheidende an diesem Projekt: Die Schüler bleiben nicht in der Rolle von passiven Zuhörern, die über das Parlament und seine Bedeutung belehrt werden. Sondern sie werden selbst in einem kreativen Prozess tätig, machen den Mund auf: Mündigkeit statt Hörigkeit. Statt alle vier Jahre „seine Stimme abzugeben“, wird hier die Stimme mit all ihren Ausdrucksmitteln eingesetzt.
Politik bleibt auf diese Weise keine trockene Materie, sondern wird zu einer höchst lebendigen Angelegenheit. Manchmal setzten sich die beteiligten Schüler einfühlsam und nachdenklich mit dem Politikerdasein auseinander, manchmal riefen die beobachtenten Widersprüche bei ihnen Ernüchterung oder gar Empörung hervor. Aber eines waren sie ganz gewiss nicht: „Politikverdrossen“.

 

Plenarmusik: Kommentare mitwirkender Schülerinnen und Schüler

«Ich denke, dass unser Stück „Plenarmusik“ ein großer Erfolg war, weil es - wie ich meine - ein sehr, sehr gutes Stück ist. Einige Politiker meinten zwar, wir hätten sehr viele Dinge negativ dargestellt, aber dem kann ich eigentlich nur wiedersprechen. Wir haben sowohl die „negativen“ als auch die „positiven“ Seiten der Politiker dargestellt, ihr Innenleben, ihre Ängste und Gefühle und die Zwänge und den Druck, denen sie eigentlich schutzlos ausgesetzt sind, gezeigt. Gerade deshalb hat mir das Projekt sehr viel gegeben.»

(Vera Trinkel, 16 Jahre)

 

«Ich war außerordentlich beeindruckt von der Zeit, in der es möglich war, ein solches imposantes Stück auf die Beine zu stellen»

(Gernot, 16 Jahre)

«Ich denke, dass das Projekt uns alle beeinflusst hat und wir alle nach dem Stück mehr an Politik interessiert sind als vorher. (...) Die Reaktion des Publikums und der Politiker auf das Stück war auch sehr beeindruckend, ich hätte nicht gedacht, dass so viele gute Kritiken zurückkommen und die Politiker uns nochmal zu sich einladen»

(Laura Dierks, 16)
 

 

Plenarmusik: Pressestimme
 

Menschen, die sich selbst für ungeheur wichtig und bedeutend halten, mögen es nicht gerne, wenn man ihnen den Spiegel vorhält. (...) Die 24 Jugendlichen im Alter von 13 bis 21 Jahren hatten sich gut vorbereitet - und ihre Vorbilder während des Besuchs einer „realen“ Parlamentssitzung gründlich studiert. (...) Ob sich die Damen und Herren Abgeordneten der Tatsache bewusst sind, dass ihre Parlaments-Arien stets nach dem gleichen Schema gebaut sind und den unterschiedlichsten Themen rondoartig immer wieder derselbe Refrain folgt? (...) Wie unter der Leitung von Silke Egeler-Wittmann die nur scheinbar zufällig einsetzenden Musikinstrumente und Sprechchöre, die der Kölner Bernhard König für die „Plenarmusik“ komponiert hatte, zur Geltung kamen, war eine Meisterleistung, die über der hinreißenden Optik fast ins Hintertreffen geriet - aber wirklich nur fast.

(Die Rheinpfalz, 8.3.2001)